Mollath- Kritikerin der Psychiatrie Kaltgestellt

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/gerichtsgutachterin-in-bayern-nach-kritik-kaltgestellt-1.1762996

Gutachterin Hannah Ziegert in der JVA Stadelheim, 2012

„Ich weiß nicht, ob ich mich jemals begutachten lassen würde.“ Hanna Ziegert hat sich bei „Beckmann“ zum Fall Gustl Mollath kritisch über die bayerische Justiz und die Vergabe forensischer Gutachten geäußert. Prompt wird sie in mehreren Verfahren als Gutachterin abgelehnt.

Von Hans Holzhaider

Weil sie sich in einer Fernsehsendung kritisch über die bayerische Justiz und die psychiatrische Begutachtung von Straftätern geäußert hat, muss die Münchner Psychiaterin Hanna Ziegert jetzt mit erheblichen beruflichen Problemen rechnen. Die Staatsanwaltschaft München I hat die Fachärztin, die seit mehr als 30 Jahren im ganzen Bundesgebiet als forensisch-psychiatrische Gutachterin tätig ist, in mehreren Verfahren „wegen Besorgnis der Befangenheit“ abgelehnt.

Begründet werden die Ablehnungen mit dem Auftritt Ziegerts in der Fernsehsendung „Beckmann“, die sich mit dem Fall Gustl Mollath beschäftigte. Die Staatsanwaltschaft habe „Grund zu der Annahme, dass die Sachverständige eine innere Haltung hat, die ihre Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit störend und nachhaltig beeinflussen kann“, heißt es in der von Staatsanwalt Bernhard Pichl unterzeichneten Ablehnungsverfügung.

In seiner Talkshow am 15. August hatte der Moderator Reinhold Beckmann den soeben aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath, dessen Anwalt Gerhard Strate, den SZ-Mitarbeiter Uwe Ritzer und Hanna Ziegert zu Gast. Mollath berichtete von seinen Erfahrungen in den sieben Jahren, die er im bayerischen Maßregelvollzug verwahrt wurde. In der Diskussion ging es auch um die Kritik an verschiedenen psychiatrischen Sachverständigen, die ihre Gutachten über Mollath lediglich nach Aktenlage erstattet hatten, weil Mollath sich einer Exploration verweigert hatte.(…)

Kommentar:

Wenn Hanna Ziegert sich in einer Fernsehsendung in diesem Sinn äußert, würde man sich wünschen, dass die Betroffenen vielleicht mal selbstkritisch in sich gehen. Aber das ist nicht die Art der Münchner Staatsanwaltschaft. Die reagiert nach dem Beleidigte-Leberwurst-Prinzip und holt den großen Knüppel aus dem Sack: In drei Verfahren hat die Staatsanwaltschaft Ziegert wegen „Besorgnis der Befangenheit“ als Gutachterin abgelehnt. Der Verdacht liegt nicht ganz fern, dass der Anstoß zu dieser Strafaktion von ziemlich weit oben in der Behörde gekommen ist. Ein Armutszeugnis.

 

 

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