J.Bonk- Recherche

SCHWARZ AUF WEISS. Ich gehöre zu den Menschen, die immer wieder auf dieses Thema reingefallen sind. Ich war freier Journalist, und irgendwann habe ich festgestellt, dass ich eine Schere im Kopf habe.

Es ist verdammt schwer, sich etwas vorzustellen, was wir nicht unmittelbar erlebt haben. Berichtet keine Zeitung, kein Radiosender und kein Fernsehen, so wird es für die meisten Menschen unglaublich. Und das bedeutet: Das ist nicht wahr.

Selbst jetzt mit Julia merke ich, wie schwer es mir fällt, eine eigene Ansicht zu haben. Ich folge meinem Instinkt, nichts anderem. Ich habe kein Interesse Hass zu säen, und ich finde es wichtig, Julia zu unterstützen.

DEM INSTINKT FOLGEN

Das ist, glaube ich, der erste Schlüssel zum Gelingen. Das eigene Gefühl ernst zu nehmen. Dem ersten Impuls Energie zu geben. Nicht nachzulassen. Für diesen Menschen namens Julia, für die Vision ‚Schöner leben ohne Nazis‘. Stunden für Stunden. Recherchieren. Nachdenken. Sichten. Nachfühlen. Mitfühlen.

Könnte es angehen, dass ich mich vielleicht doch in ihre Privatsphäre einmische? Was sagen ihre Eltern? Ja, wie wäre es mir ergangen, als ich siebenundzwanzig war? 1981. Das waren andere Zeiten. Und doch starben Menschen ein paar Jahre zuvor im Staatssicherheitstrakt. Geselbstmordet.

Wir hatten die Kämpfe gegen die AKWs verloren. Wir hatten die Kämpfe gegen die öffentliche Militarisierung verloren. Wäre ich damals im Knast gelandet oder in der Psychiatrie, ich hätte mich um jede Unterstützung gefreut. Die Eltern fragen? Mein Gott. Mein Vater stand politisch auf der anderen Seite.

Dann begann der Krieg gegen die Menschen auf dem Balkan. Nicht mal die Kirchenzeitung hätte meine klaren Worte gedruckt, ich musste mich zu einer liberalen Buchempfehlung durchringen. Und dann Afghanistan. Es gibt Menschen, die sind verdammt mutig. Eine von ihnen ist Julia.

JULIA BRAUCHT UNSER TIEFSTES MITGEFÜHL

Stell dir vor, sie wäre deine Tochter – oder deine Schwester, deine Freundin. Solidarität muss zutiefst menschlich sein. Es dreht sich darum, all unsere Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Selbst hinter den dicksten Mauern kann sie unser Mitgefühl spüren.

Und wenn ich es richtig ahne, ist es das, was sie jetzt braucht. Gefühl. Dein Gefühl. Mein Gefühl. Unser Mitgefühl.

Es ist nicht einfach, das zu tun, was wir jetzt alle tun. Jeder wird seinen Tag verändern, um Zeit für Julia zu haben. Und zwar solange, bis sie frei und gesund ist. Es ist nicht einfach, und doch muss es getan werden.

TEIL DER LÖSUNG SEIN

Noch reagieren wir, aber wir können den Lauf der Dinge verändern, indem wir aktiv sind. Aktiv heisst, sich Julias Bild anzuschauen, ihr zu sagen, wie wichtig sie für uns alle ist, und das wir zu ihr stehen – komme, was da komme.

Für mich sind weitere Kontextrecherchen nicht mehr notwendig. Was wir jetzt brauchen, sind unsere Talente und Fähigkeiten – auf allen Ebenen. Briefe schreiben, Kuchen backen. Recherchieren, im Sinne eines aufdeckenden Journalismus. Luftballons steigen lassen. Am Tag und in der Nacht. Selbst kalte Nächte können schön sein, wenn du weisst, welchen Sinn es macht, bei Minusgraden durch die Stadt zu gehen.

Ich glaube, dass diese Gruppe sich erst einmal beweisen musste, warum wir unserem Instinkt vertrauen. Jetzt wissen wir, dass wir aus dem Gefühl der Hilflosigkeit in die konkrete Handlung gehen können. Wir sind Teil der Lösung.

B Freiheitsstatue n Nowak
INTENSITÄT BEDEUTET KRÄFTE ZU BÜNDELN. Liebe Freunde, es gibt viele Themen. Ich verstehe es, wenn jeder etwas unternehmen möchte, zu all dem, was gerade wichtig erscheinen könnte. Ich habe mich für das Engagement für einen Menschen entschieden, für Julias baldmöglichste Freiheit.

Ich könnte an den und den Aktionen teilnehmen, oder eine allgemeine politische Kampagne machen. Aber das will ich nicht. Die Zeit, die Julia braucht, brauche ich zur genauen Recherche. Und das ist eine Recherche im Niemandsland. Nur den Fokus auf den Hintergrund richten. Das erfordert Fleißarbeit. Nur den Fokus auf humanistische Aktionen legen, auch das braucht Zeit und Liebe. Und dann noch die gemeinsame Kommunikation. Heute war das sehr wichtig, und wir haben zusammen etwas Wichtiges geschafft.

Normalerweise liebe ich die Ruhe. Aber jetzt ist Julia-Zeit. Also, was mir fehlt, ist die genaue Situationsbeschreibung. Wo ist Julia? Mir fehlen die realen Kontakte zu Freunden von Julia. Die aus der Partei und die aus den anderen Strömungen. So ist die Recherche eigentlich erst einmal vage.

Sind die Freunde informiert und gibt es keinen realen Kontakt nach Dresden, setze ich an einem anderen Punkt an und suche nach möglichen Motiven, vorausgesetzt, es handelt sich wirklich um eine politische Entmächtigung. Aber wenn es so ist – was ich befürchte -, muss ich nach den Motiven schauen. Wenn Julia Target wurde, dann hat sie etwas von Brisanz herausgefunden. Diese Recherche empfinde ich am schwierigsten.

Julia war Datenschutzbeauftragte. Sie blickte genau durch, und sie war nicht dumm, um auf der Oberfläche zu bleiben. Sie wird geforscht haben. Zu glauben, dass NSA das Hauptthema sein könnte, führt uns in eine Sackgasse. Denn die USA und der CIA haben sehr früh angefangen, mit den alten Nazis zusammenzuarbeiten. MK Ultra. Bewusstseinskontrolle.

1990 gab es den Schulterschluss von Stasi und BND. Das wird Folgen gehabt haben. Was ist, wenn Julia Informationen hatte, die wir nicht kennen? Wenn sie Informationen hatte, dann könnten wir erahnen, in welche Richtung es ginge. Vorausgesetzt, wir würden wissen, was ihr jüngstes Thema war.

Vielleicht wird es einen Whistleblower geben. Und wenn es ihn gibt, wenn er hier mit liest, dann wird er seine Informationen weitergeben können. An WikiLeaks. An Indymedia. An DemocracyNow. Vorausgesetzt, es handelt sich um diese Dimension.

Ist das Wohlergehen von Julia von dieser Recherche abhängig? Was ist, wenn die These richtig ist? Was ist, wenn sie den totalen Breakdown gehabt hat, ohne dass das die politische Vermutung zuträfe? Aber nach einem Breakdown, und seien die Begleiterscheinungen noch so schlimm, gäbe es keinen Entzug der politischen Immunität. Also doch die andere Schiene. Irgendjemand scheint Zeit für eine Vertuschung zu benötigen. Eine Gehirnwäsche ist nur dann notwendig, wenn jemand eine Gefahr darstellt.

Vielleicht gibt es dann, wenn die dreckige Arbeit gemacht ist, eine Freigabe der Medien. Mit Nachrichten, die nicht nur mir nicht gefallen werden. Aber die nicht hinterfragt werden. Also kommt es darauf an, Julia sobald und so schnell es geht, wieder unter uns zu haben. Deswegen wird es gut sein, intensiv am Ball zu sein. Für das Wohlergehen von Julia.

PS
Nur noch eine Anmerkung zum Big Brother. Wenn ich es richtig wahrnehme, dann wird künstlich ein Konflikt der USA und Deutschland aufgebaut. Könnte angehen. Aber was sollte Angie erzählen, dass die Amis gewaltig nervt und trifft? Dass wir ab morgen einen dritten Weg ohne Kapitalismus gehen, dass die Rüstungsindustrie verboten, der Geheimdienst und die Bundeswehr aufgelöst wird? Prima, wenn das so ist, können Sarah, Angie und ich im nächsten Jahr zusammen Geburtstag feiern. Mit Julia. Und uns allen zusammen. Bis dahin bleibt noch viel zu tun.

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