Partizipation

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Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderung

Transkript

Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderungen
Interview mit Thomas Geißler, Humboldt Universität Berlin

Dr. Leander Palleit (Deutsches Institut für Menschenrechte): Welchen Problemen sehen sich Menschen mit Behinderung in Deutschland gegenüber?

Thomas Geißler: In Deutschland bestehen erhebliche Probleme für Menschen mit Behinderungen, was den Zugang zur Gesellschaft anbelangt. Zum Beispiel die Gruppe der tauben Menschen kann zwar in Gebärdensprache kommunizieren, in der Mehrheitsgesellschaft wird allerdings gesprochene Sprache verwendet. Der Informationsaustausch zwischen Mehrheitsgesellschaft und Gehörlosengemeinschaft ist problematisch. Rollstuhlfahrer stoßen auf bauliche Barrieren, wenn sie zu einem Amt oder einer Behörde wollen und vor Ort keinen Fahrstuhl, sondern nur eine Treppe vorfinden. Kognitiv beeinträchtigte Menschen haben Schwierigkeiten, Informationen in Ämtern oder Gesetzestexte zu verstehen. Dokumente sind häufig zu amtssprachlich verfasst. Die Mehrheitsgesellschaft schließt häufig Menschen mit Behinderung vom Zugang zu Informationen aus. Auch existieren in Deutschland noch überholte Vorstellungen, die Behinderung als medizinisches, defizitäres Phänomen zu begreifen. Im Laufe der Zeit wurde durch eine Emanzipationsbewegung ein Paradigmenwechsel in Gang gesetzt. Behinderung ist ein gesellschaftliches Konstrukt und Gesellschaft ist sozial konstruiert. Das erwähnte medizinische Phänomen muss sich hin zu einer sozialen Sichtweise wandeln, so dass für alle die Bedingungen für einen Zugang geschaffen werden können.

Dr. Leander Palleit: Auf welche Barrieren stoßen Menschen mit Behinderung bei rechtlichen Belangen?

Thomas Geißler: Beim Zugang zum juristischen Bereich ist beispielsweise die Gruppe der blinden Menschen vor Schwierigkeiten gestellt. Sie können die herkömmlichen Dokumente und Texte nicht lesen. Sie müssen die Dokumente in Braille oder alternativ in Form einer Audiodeskription zur Verfügung gestellt bekommen. Das wird bisher nicht selbstverständlich angeboten. Für taube Menschen gibt es im Rechts- und Klageverfahren den Anspruch auf Verwendung von Gebärdensprache, aber für alle vorgerichtlichen Gespräche mit einem Rechtsanwalt muss der Betroffene die Kosten für einen Gebärdensprachendolmetscher selbst tragen. Versteht sich das als Gleichberechtigung?

Dr. Leander Palleit: Was muss sich ändern?

Thomas Geißler: Zwei große Punkte müssen sich ändern. Zum einen sind das die Denkmuster, die typische Annahme, dass mit Behinderung immer eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit einhergeht. Hier braucht es den Paradigmenwechsel zu: Menschen mit Behinderung sind anderen in nichts nachgestellt. Zum anderen muss die UNKonvention stärker Einfluss darauf nehmen, dass Menschen mit Behinderung ihr Recht bekommen. Man sollte darauf hinwirken, dass zur Mitgestaltung der eigenen Teilhabe finanzielle, persönliche und materielle Unterstützung geleistet wird. Erst wenn die Gesellschaft auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingeht, anstatt sie zu assimilieren, sind auch die Menschenrechte erfüllt.

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Eine Antwort zu Partizipation

  1. sprachportal schreibt:

    Hat dies auf sprachsalat rebloggt und kommentierte:

    Partizipation umsetzen: Die Rechte der Menschen mit Handicap umsetzen

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